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Kultur
"Wie alles begann – Ernest Martin und Düsseldorfs Freie Szene nach den 1960er-Jahren"
Aus Anlass des 85. Geburtstages von Ernest Martin zeigt das Theatermuseum eine Ausstellung
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Das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf zeigt aus Anlass des 85. Geburtstages von Ernest Martin eine Ausstellung, die sich schwerpunktmäßig mit seinen Düsseldorfer Jahren beschäftigt. Plakate, Fotos, Videos, Theaterrezensionen und Material aus dem Vorlass ergeben ein vielschichtiges Bild der Künstlerpersönlichkeit und seiner Gruppe, "Die Bühne". Die Ausstellung konnte realisiert werden durch zahlreiche Leihgaben und die Schenkung Siegfried Thielers, der die Gruppe von 1968 bis 1985 fotografisch begleitet hat. Die Ausstellung ist vom 17. Oktober 2017 bis zum 18. Februar 2018 zu sehen.
Der US-amerikanische Regisseur, Intendant, Schauspieler und Tänzer Ernest Martin wurde am 23. Februar 1932 in New York City im Stadtteil Brooklyn geboren. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Highschool studierte er von 1950 bis 1953 am staatlichen City College of New York Psychologie. Bereits während seines Studiums konnte Ernest Martin erste Erfahrungen als Regisseur am Off-Broadway sammeln. 1951 inszenierte er am New Yorker Cherry Lane Theater den von ihm selbst geschriebenen Einakter "Reunion".
In Seattle schloss er von 1954 bis 1955 an der dortigen Drama School ein theaterwissenschaftliches Studium ab. 1956 erhielt er die Gelegenheit zu einem einjährigen Praktikum am East 6th Street Theater unter dem Theaterregisseur und Produzenten Joseph Papp. Bereits in dieser Zeit erhielt Martin wesentliche Anregungen durch die Theatergruppe The Living Theater um Julian Beck, deren unkonventionelle Darstellungsformen ihn schon damals nachhaltig inspirierten.
Während seiner Zeit in Amerika bis 1960 konnte er weitere Inszenierungen gestalten, unter anderem am City College of New York. Darunter waren unter anderem Theaterstücke wie "Wir sind noch einmal davongekommen" von Thornton Wilder oder "Sechs Personen suchen einen Autor" von Luigi Pirandello, ein Drama, mit dem er 1965 auch das Düsseldorfer Theaterpublikum konfrontieren sollte. Da Martin in den USA keine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten für sich sah, unternahm er 1960 eine Europareise, die ihn nach Wuppertal und wenig später nach Düsseldorf führte.
Noch unter dem Dach der Volkshochschule Wuppertal gründete er 1961 das "Theater-Studio", das er bis 1967 leitete; parallel dazu entstand unter seiner Leitung in Düsseldorf die Theatergruppe "Bühne 64", mit der er den Grundstein für ein zunehmend experimenteller werdendes Amateurtheater legte. Selbst der "Spiegel" wurde bald auf die Gruppe aufmerksam und berichtete: "In den Inszenierungen verwirklichte Ernest Martin seine Vorstellung eines experimentellen Theaters, das ohne eine herkömmliche Erzählstruktur sich ausschließlich auf das gleichzeitige Zusammenspiel von Sprache, Mimik, Gestik, Bewegung, Licht, Ton, Film, Fernsehen, Zeit und Raum konzentriert." (Quelle: Offizielle Website von Ernest Martin).
Die wichtigsten Produktionen aus dieser psychedelischen Zeit ab 1968 waren zweifellos "Time out of Mind", "Games People Play" und "The Electric Environment". Wesentliche, vielgespielte Eigenproduktionen, die auch internationale Resonanz fanden, waren in den 1970er-Jahren dagegen "Ich sehe mich dich sehen" und "Oedipus Telex".
Bis zum Ende der Gruppe 1987 entstanden insgesamt 17 Produktionen, von denen ein großer Teil Eigenproduktionen der Gruppe genannt werden können. Erst in der letzten Phase ab 1982 wandte sich Ernest Martin als Regisseur wieder textbasierten Aufführungen zu. Unter den Stücken befand sich "Marat/Sade" von Peter Weiss, das er bereits 1964 in der Berliner Uraufführung mehrfach hatte sehen können; ebenso Peter Handkes "Publikumsbeschimpfung", das der Autor nach langen Jahren der Bühnenabstinenz nur für Ernest Martin wieder freigab.
1984 wurde sein Engagement mit der Leitungsfunktion des "Jungen Theaters in der Altstadt" belohnt. Auch wenn seine neue Funktion kaum noch eigene Produktionen zuließ, wurde er doch zu einem Förderer und Ermöglicher zahlreicher Theaterinitiativen der Freien Szene, so des "Jungen Ensembles" von Reinhold Tritt oder des "Theaters der Klänge" von Jörg Lensing. Ernest Martin selbst gehört auch zu den Gründern des "Seniorentheaters in der Altstadt". 1999 endete seine Intendanz. In der Folge wurden die beiden Spielstätten "Kammerspiele" (Jahnstraße) und JuTA (Wilhelm-Marx-Haus) zum heutigen Forum Freies Theater (FFT) zusammengeschlossen.
Neben seinen Arbeiten als Theaterregisseur und -leiter war Ernest Martin auch als Schauspieler tätig. So wirkte er in dem Stück "Master Harald und die Boys" mit, das in den 1980er-Jahren am Düsseldorfer und Kölner Schauspielhaus aufgeführt wurde. Ebenfalls war er in dem Stück "Mandela vor Gericht" zu sehen, welches ebenfalls in den 1980er-Jahren am Schauspielhaus Basel präsentiert wurde. Sein über 50-jähriges Theaterleben beendete Ernest Martin mit einem Engagement als Tänzer in der Pina Bausch - Tanzproduktion "Kontakthof für Damen und Herren ab 65", die von 2004 bis 2009 mit zahlreichen Gastspielen im In- und Ausland, vor allem in Italien und Frankreich, aufgeführt wurde.
Inzwischen lebt Ernest Martin seit über 50 Jahren in Düsseldorf. Das Theatermuseum versteht die Ausstellung als Hommage an seine großen Leistungen für die Theatergeschichte der Freien Szene mit zeitweise internationaler Strahlkraft.
Ernest Martin
Geboren 23. Februar 1932 in Brooklyn/New York
lebt seit über 50 Jahren in Düsseldorf
Regiearbeiten
1965 - 1987: Regisseur aller Inszenierungen von "Die Bühne" bis 1987
1965: "Sechs Personen suchen einen Autor" von Luigi Pirandello
1966: "Ballade für einen Parasiten"
1967: "Aus dem Leben der Insekten" von den Gebrüdern Capek
1968: "Time out of Mind – Zeit außerhalb des Geistes"
1968: "Games People Play – Spiele der Gespielten"
1969: "The Electric Environment oder Warum Karl-Heinz lange Haare trägt"
1970: "Cerebrum" und "Kontakt – Contact"
1975: "Ich sehe mich dich sehen"
1978: "Oedipus Telex"
1981: "Alice in Wonderland oder Der bewusste Traum"
1982: "Marat/Sade" von Peter Weiss
1983: "Publikumsbeschimpfung" von Peter Handke
1985: "Der Amerikanische Traum"
1986: "Die Unterrichtsstunde" von Eugene Ionesco
1986: "Rashomon" nach dem Film von Akira Kurosawa
1987: "Arsen und Spitzenhäubchen" von Joseph Kesselring
1998: Brooklyn Memoiren von Neil Simon/Junges Theater in der Altstadt
Leitung/Intendanz
1961 - 1967: Leiter des Theater Studios an der Volkshochschule Wuppertal
1964 - 1987: Leiter der Düsseldorfer Theatergruppe "Die Bühne"
1984 - 1999: Intendant des Jungen Theaters in der Altstadt in Düsseldorf
Schauspiel
1985 - 1986: Darsteller in dem Stück "Master Harald und die Boys" am Düsseldorfer Schauspielhaus
1987 - 1988: Darsteller in dem Stück "Master Harald und die Boys" am Kölner Schauspielhaus
1987 - 1988: Darsteller in dem Stück "Mandela vor Gericht" am Schauspielhaus Basel
Tanz
2004 - 2009: Tänzer in dem Stück "Kontakthof. Mit Damen und Herren ab 65" von Pina Bausch – Tanzproduktion
Informationen:
Theatermuseum Düsseldorf
Jägerhofstraße 1
40479 Düsseldorf
www.duesseldorf.de/theatermuseum
Geöffnet: Di - Fr 13 bis 17 Uhr/Sa - So 13 bis 19 Uhr
Eintritt: Euro 4/ermäßigt 2 Euro (Studenten/Auszubildende)
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt





