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Filmmuseum

Youssef Chahine – An Egyptian Story

Vom 1. bis 29. Oktober widmet sich die Black Box dem Werk eines der bedeutendsten Filmemachers Ägyptens


Erstellt:
Redaktion: Frisch, Michael

Vom 1. bis 29. Oktober widmet sich die Black Box dem über fünf Jahrzehnte umspannenden Werk von Youssef Chahine, einem der bedeutendsten Filmemacher Ägyptens. Chahines Karriere begann zu einer Zeit historischer Unruhe in Ägypten. Der langsame Dekolonialisierungsprozess setzte einen politischen und gesellschaftlichen Wandel in Gang, der mit der Nasser-Revolution von 1952, der Suez-Krise 1956, dem Sechstage-Krieg ein Jahr später und dem Aufstieg des Sozialismus seine Höhepunkte fand. Der Widerstand und die Befreiung von einer seit 1922 allein formal für beendet erklärten britischen Besetzung mit einer gleichzeitigen Hinwendung zum Nationalismus wirkten nicht nur auf die Bevölkerung Ägyptens mobilisierend, sondern bestärkten auch Chahines politische Teilhabe.

In seinen Filmen lassen sich immer auch persönliche Bezüge wiederfinden - es lässt sich nicht allein auf soziale Beweggründe reduzieren. Chahine brach gegen den Wunsch seines Vaters das Ingenieurstudium in Kairo ab und ging in die USA, um am Pasadena Playhouse Schauspiel und Regie zu studieren. Nach seiner Rückkehr war er als Regieassistent tätig und probierte sich ungezwungen in allen Genres aus. Es folgten erste sozialkritische Filme, aber auch eine Reihe an - selbst nach Chahines eigener Aussage - anspruchslosen Musikfilmen. Dann schuf er BAB EL HADID, ein Meisterwerk des ägyptischen Kinos mit Anleihen an den Neorealismus und, mit seinem Einsatz von Komik und Musik, auch an die Studioproduktionen Hollywoods. Der Film mit seinen radikalen Inhalten und der Offenheit im Umgang mit Sexualität und Gewalt führte zu internationaler Aufmerksamkeit, aber auch zu Aufführungsverboten und leeren Kinosälen.

Das Werk Chahines war immer vielseitig. Seien es monumentale Historiengemälde, psychologische Dramen oder die von surrealem Humor geprägte autobiografische "Alexandria-Tetralogie" – sein politisches Engagement war geleitet von einem emotionalen Interesse an seinen Mitmenschen: "Ich wollte eine Zuneigung zu den Leuten um mich herum ausdrücken. Dies fand ich bisher noch nicht im Film. Ich bin an meinen Nachbarn interessiert, an den mir nahestehenden Personen." Dieses Bewusstsein um die eigene soziale Verantwortung machte Chahine, auch liebevoll "Jo" oder "unser alter Jugendlicher" genannt, nicht nur zu einem beim ägyptischen Volk beliebten Filmemacher, sondern auch zu einem der wichtigsten Vertreter des arabischen Kinos.

Filmprogramm
Dienstag, 1. Oktober, 20 Uhr | Sonntag, 6. Oktober, 15 Uhr
BAB EL HADID
TATORT… HAUPTBAHNHOF KAIRO
EG 1958 · 77 min · OmeU · 35mm · ab 18
R: Youssef Chahine B: Abdel Hai Adib, Mohamed Abu Youssef K: Alevise Orfanelli D: Youssef Chahine, Hind Rustum, Farid Shawqi u.a.

Chahine selbst verkörpert die Hauptfigur Quenauwi, einen stotternden und hinkenden Zeitungsverkäufer, der in einem Kioskbesitzer seinen einzigen Freund und Mentor findet. Für alle anderen ist er eine Belästigung. Er imaginiert eine gemeinsame Zukunft mit der Limonadenverkäuferin Hanouma, die jedoch mit dem Transportarbeiter und Gewerkschafter Abu Seri verlobt ist. Einführung in die Filmreihe am 1.10.: Gary Vanisian (Filmkollektiv Frankfurt)

Sonntag, 5. Oktober, 19 Uhr
AL-ARD
THE LAND
EG 1969 · 130 min · OmeU · 35mm · FSK 16
R: Youssef Chahine B: Hassan Fuad nach einem Roman von Abderrahman Charkawi K: Abdelhalim Nasr D: Hamdy Ahmed, Ezzat El Alaili, Mahmoud Al Meleji , Yehia Chahine, Tawfik El Deken u.a.

Die Handlung ist in den 1930er-Jahren und damit zu Zeiten der britischen Besetzung angesiedelt und nimmt die Konflikte zwischen Bauernfamilien und unterdrückenden Landbesitzern in den Blick. Lange vor der Revolution und bevor Gamal Abdel Nasser eine nationalistisch geprägte Agrarreform vorantrieb, leiden die in feudalen Strukturen lebenden Menschen unter Machtkämpfen und insbesondere unter der Kontrolle über die Zufuhr und Verwendung von Wasser. Der Film ist gleichzeitig eine wütende Reaktion auf den Kolonialismus und auf bis heute andauernde, territoriale Auseinandersetzungen.

Mittwoch, 9. Oktober, 20 Uhr
AL-ASFOUR
DER SPERLING
EG·AL 1974 · 105 min · OmeU · 35mm · FSK 16
R: Youssef Chahine B: Youssef Chahine, Lotfi Al Khouli K: Mustafa Imam D: Mahmoud Al Meleji, Seif Abdelrahman, Maryam Fakhruddin, Ali El Sherif u.a.

AL-ASFOUR ist der erste mit seiner Produktionsfirma MISR International entstandene und Chahines wohl komplexester Film und gleichzeitig Ausdruck einer seit 1967 und der militärischen Niederlage Ägyptens im Sechstagekrieg beginnenden, künstlerischen wie politischen Neuorientierung. Die verschachtelte Geschichte erzählt von Korruption und Verbrechen innerhalb der Nasser-Regierung.

Sonntag, 13. Oktober, 17.30 Uhr
ISKANDERIJA… LIH?
ALEXANDRIA… WARUM?
EG·AL 1979 · 133 min · OmeU · 35mm · ab 18
R: Youssef Chahine B: Youssef Chahine, Mohsen Zayed K: Mohsen Nasr  D: Mohsen Mohieddin, Naglaa Fathi, Mahmoud Al Meleji, Farid Shawqi, Abdalla Mahmoud u.a.

Chahine stellt seine autobiografisch geprägte Hauptfigur Yahya in ein Figurennetz, sie alle befinden sich wie die Stadt selbst zwischen den Fronten. So ist die Geschichte von Alexandria auch die Geschichte seiner Bewohner und der Krieg in seiner Erfahrung für die Zivilbevölkerung allgegenwärtig: die von Restriktionen befreite ägyptische Armee, eine Gruppe junger Offiziere in ihrem Unabhängigkeitskampf gegen die britische Besatzung oder die durch die Kriegsinflation verarmte Familie Yahyas, die versucht, ihren Kindern eine Zukunft zu finanzieren. Doch da ist auch die vergebende Zuneigung zwischen einem britischen Soldaten und seinem Kidnapper oder die verbotene Liebe zwischen einer Jüdin und einem militanten, arabischen Studenten.

Freitag, 18. Oktober, 20.45 Uhr
INSKANDERIJA, KAMAN OUE KAMAN
ALEXANDRIA, NOCHMAL UND IMMER WIEDER
F·EG 1989 · 100 min · OmeU · 35mm · ab 18
R: Youssef Chahine B: Youssef Chahine, Yusri Nasrullah K: Ramses Marzouk D: Youssef Chahine, Youssra, Hussein Fahmy, Hesham Selim, Tahiyyah Karyuka u.a.

Chahine schlüpft selbst in die Rolle des Yahya und ist nicht nur ein Chronist seiner Heimatstadt, die er als Geschichte von Alltäglichkeiten inszeniert, sondern auch ein unglücklich Verliebter. Amr, der die Hauptrolle in seinen Filmen spielte, möchte nicht mehr Chahine verkörpern, schreit "Ich will heiraten, ein Kind haben, endlich ein normales Leben führen!" Den Schmerz dieser Ablehnung kann auch seine Frau nicht lindern, und letztlich findet Yahya Rückhalt in der kämpferischen Nadia, die er im Rahmen eines Hungerstreiks der Gewerkschaften kennenlernt.

Freitag, 25. Oktober, 20 Uhr
AL-MOHAGER
DER EMIGRANT
EG·F 1994 · 129 min · OmeU · 35mm · ab 18
R: Youssef Chahine B: Youssef Chahine, Rafik El-Sabban, Khaled Youssef K: Ramses Marzouk D: Khaled Nabawy, Youssra, Mahmood Hemaidah, Michel Piccoli, Hanan Turk u.a.

Der junge, nachdenkliche Ram gehört einem armen Stamm an, der auf unfruchtbarem Boden lebt. Er möchte die Rückwärtsgewandtheit seiner Familie und insbesondere die Ignoranz seiner Brüder hinter sich lassen und in das Ägypten der Pharaonen reisen. Auf der anstrengenden und gefährlichen Reise wird er jedoch gefangen genommen und schließlich zum Spielball im Machtkampf zwischen einem Militärbefehlshaber und dessen Frau, einer Hohepriesterin des Amun-Kultes.

Im Anschluss:
AL KAHERA MENAWARA BE AHLAHA
CAIRO AS SEEN BY CHAHINE
EG 1991 · 24 min · OmeU · 35mm · ab 18 · R: Youssef Chahine

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