Denkmal des Monats Juni 2026

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Düsseldorf Denkmal des Monats Juni 2026: Luftschutzanlage aus dem Zweiten Weltkrieg in Eller. Foto: Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege

Bei den Bauarbeiten für die neue Sporthalle des städtischen Gymnasiums an der Bernburger Straße stießen Arbeiter im Dezember 2025 überraschend auf ein lange vergessenes Relikt des Zweiten Weltkriegs: Unter der Erde kam ein Luftschutzbau zum Vorschein, dessen vollständige archäologische Ausgrabung inzwischen abgeschlossen werden konnte. Die ersten Forschungsergebnisse liefern der Bodendenkmalpflege wertvolle Erkenntnisse und werfen zugleich neue Fragen auf, denen die Stadtarchäologie Düsseldorf nun gemeinsam mit weiteren Fachleuten nachgeht. Den Abschluss der Ausgrabung und die authentischen Einblicke in den zivilen Luftschutz während des Zweiten Weltkriegs nimmt das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege zum Anlass, den Deckungsgraben an der Bernburger Straße als Düsseldorfs Denkmal des Monats Juni 2026 vorzustellen.

Eine überraschende Entdeckung
Bereits im Vorfeld der Baumaßnahme gab es Hinweise auf einen Luftschutzbau im Bereich der Flottenstraße, die früher bis südlich der Bernburger Schule verlief. Seine genaue Lage und Ausdehnung waren jedoch unbekannt. Erst bei der Kampfmittelsondierung stießen die Arbeiter in rund 80 Zentimetern Tiefe auf eine massive Betondecke.

Die Stadtarchäologie Düsseldorf, die umgehend über den Fund informiert wurde, bestätigte den Verdacht: Es handelte sich um die Reste eines unterirdischen Luftschutzbauwerks aus dem Zweiten Weltkrieg. Letzte Zweifel wurden bei einer Baustellenbesichtigung gemeinsam mit dem Experten für Weltkriegsarchäologie Dr. Johannes Müller-Kissing, Leiter der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Essen, ausgeräumt. Bevor die historische Anlage dem Neubau weichen musste, wurde sie daher durch eine archäologische Fachfirma vollständig freigelegt und dokumentiert.

Ein ungewöhnlicher Deckungsgraben
Bei dem Bauwerk handelt es sich um einen rund 60 Meter langen Deckungsgraben. Solche Anlagen boten der Zivilbevölkerung schnell erreichbaren Schutz vor Splittern und Trümmern bei Luftangriffen, waren jedoch nicht gegen direkte Bombentreffer ausgelegt.

Der Graben bestand aus einem betonierten Gang mit Tonnengewölbe, zwei Treppenzugängen mit Schleusen sowie Belüftungs- und Entwässerungsöffnungen. Das Tonnengewölbe spricht tendenziell für eine frühe Bauzeit oder die Anwendung bereits veralteter Richtlinien. Reste von Führungsschienen zeigen zudem, dass die Zugänge vermutlich einst durch Schiebetüren verschlossen werden konnten.

Besonders auffällig ist der Verlauf des Bauwerks: Der südliche Abschnitt weist mehrere Winkel von 130 bis 155 Grad auf und weicht damit deutlich von den für derartige Schutzbauten geltenden Vorgaben ab. Diese sahen in regelmäßigen Abständen rechtwinklige Knicke vor, um die Auswirkungen von Druckwellen bei Explosionen zu verringern.

Auch das südliche Ende des Deckungsgrabens erwies sich als ungewöhnlich. Dort setzte sich die Anlage offenbar als lediglich teilweise mit Holz verschalter und anschließend verfüllter Erdgraben fort. Die Befunde sprechen dafür, dass dort ein weiterer Abschnitt geplant, jedoch nie fertiggestellt wurde.

Nordwestlich des Deckungsgrabens wurde zudem der Rest eines weiteren Luftschutzbauwerks entdeckt. Aufgrund späterer Zerstörungen ließ sich seine ursprüngliche Größe nicht mehr bestimmen. Erhalten blieb ein rechteckiger Raum von etwa zehn Metern Breite und mindestens sieben Metern Länge, dessen Inneres mit Bauschutt verfüllt war.

Im Inneren der Anlagen fanden sich nur wenige Spuren ihrer ursprünglichen Nutzung. Nägel, Haken und Reste von Holzelementen deuten auf eine einst vorgesehene Inneneinrichtung hin. An einer Wand war die Jahreszahl "1942" oder "1943" eingeritzt. Ob sie tatsächlich auf die Bauzeit verweist, bleibt jedoch ungewiss.

Geborgen wurden stark korrodierte Metallgegenstände, darunter Geschirr, Werkzeuge, Bauteile sowie mehrere Luftschutzhelme. Darüber hinaus fanden sich Fragmente einer Gasmaske und eines Holzschildes mit Resten einer Beschriftung. Das Innere des Deckungsgrabens selbst war hingegen weitgehend fundleer.

Demilitarisierung nach dem Krieg
Die baulichen Relikte erzählen nicht nur vom Luftschutz während des Krieges, sondern auch von der Zeit danach. Zahlreiche Bohrlöcher und Fehlstellen in der Decke belegen, dass die Anlage gezielt durch Sprengungen unbrauchbar gemacht wurde. Solche Maßnahmen gehörten zur Demilitarisierung Deutschlands nach 1945. Der Befund verdeutlicht, dass viele Luftschutzanlagen nicht vollständig beseitigt, sondern lediglich außer Betrieb gesetzt wurden. 

Für wen waren die Luftschutzbauten gedacht?
Allein der Deckungsgraben hätte Platz für mehr als 200 Personen geboten. Er liegt nur wenige Meter südlich der Bernburger Schule und wäre von dort aus leicht erreichbar gewesen. 

Die heute denkmalgeschützte Schule bestand bereits seit 1915. Im Verlauf des Krieges sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler jedoch deutlich, da viele Kinder aus der Stadt evakuiert wurden. In frei gewordenen Klassenräumen richtete man 1941 eine Kommandostelle des Sicherheits- und Hilfsdienstes für den Luftschutz ein.

1944 wurde der Schulbetrieb eingestellt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt diente das Gebäude als Unterkunft für 600 bis 700 Zwangsarbeiter, überwiegend aus westeuropäischen Ländern. War der Deckungsgraben ursprünglich für die Schülerinnen und Schüler vorgesehen und wurde nach deren Evakuierung deshalb nicht vollendet?

Zwangsarbeitern war der Zugang zu Bunkern durch das NS-Regime in der Regel verwehrt. In einigen Fällen konnten sie jedoch in einfachen Deckungsgräben Schutz suchen. Die genauen Hintergründe des ungewöhnlichen Befundes müssen weitere Forschungen klären.

Luftschutz in Düsseldorf während des Zweiten Weltkriegs
Der Fund liefert einen seltenen Einblick in den Luftschutz der Kriegsjahre in Düsseldorf. Spätestens nach dem ersten großen Luftangriff der britischen Royal Air Force auf Berlin im Jahr 1940 wurde deutlich, dass die Planungen der Vorkriegszeit von einem unzutreffenden Kriegsbild ausgegangen waren. Der zivile Luftschutz rückte daraufhin stärker in den Fokus des NS-Regimes.

Im Rahmen des sogenannten "Führer-Sofortprogramms" wurde der Bau von Luftschutzeinrichtungen in rund 60 als besonders wichtig eingestuften deutschen Großstädten angeordnet, darunter auch Düsseldorf. Als bedeutender Standort der Rüstungsindustrie war die Stadt ein bevorzugtes Ziel alliierter Luftangriffe.

Der erste große Luftangriff auf Düsseldorf erfolgte am 1. August 1942. Weitere schwere Bombardements folgten am 11. September 1942 und am 12. Juni 1943. Zwar sind im Stadtgebiet inzwischen mehr als 400 unterirdische und oberirdische Luftschutzanlagen bekannt, doch über ihre genaue Lage, Bauweise und ihren Erhaltungszustand ist vielfach nur wenig überliefert.

Die Ausgrabung in Düsseldorf-Eller zeigt, welchen wichtigen Beitrag archäologische Untersuchungen zur Erforschung der jüngeren Stadtgeschichte leisten können. Selbst für eine Epoche, die durch zahlreiche Schrift- und Bildquellen dokumentiert ist, lassen sich auf diesem Weg neue Erkenntnisse gewinnen.

Reihe "Düsseldorfs Denkmal des Monats"
Das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege im Bauaufsichtsamt erlebt ein anhaltend großes Interesse an den sichtbaren und verborgenen Zeugnissen der Düsseldorfer Stadtgeschichte. Dies nimmt die städtische Denkmalbehörde zum Anlass, monatlich ein Stück gebautes Erbe als "Düsseldorfs Denkmal des Monats" vorzustellen.

Fotos des Denkmal des Monats Juni 2026 sind abrufbar unter: https://duesseldorf.canto.de/b/MLNC9