Düsseldorf muss sich weiterhin um Flüchtlinge kümmern

| Amt 54 News

Düsseldorf muss sich weiterhin um Flüchtlinge kümmern, denn wöchentlich werden der Stadt rund 60 neue Asylbewerberinnen und Asylbewerber zugewiesen. Das bedeutet, das weitere Unterkünfte errichtet werden müssen.

Zudem sind einige Unterkünfte in diesem Jahr weggefallen, weitere werden 2017 aufgegeben. In Düsseldorf sind zum Stichtag 31. Oktober 5.408 Asylsuchende und 2.332 Flüchtlinge mit verfestigten Aufenthaltsstatus, insgesamt also 7.740 Menschen in kommunalen Einrichtungen untergebracht. Zum Vergleich: Am 31. Dezember 2015 waren es 4.311 Asylsuchende und 809 mit verfestigten Aufenthaltsstatus, insgesamt also 5.120 Menschen. "Die Unterbringungssituation ist derzeit nicht mehr angespannt, bleibt aber eine ambitionierte Herausforderung. Während bisher der Fokus auf der Verhinderung von Obdachlosigkeit lag, müssen wir nun alle Anstrengung in die Integration der Menschen stecken", erklärte Düsseldorfs Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch.

Die Landeshauptstadt setzt nach wie vor auf einen dezentralen Unterbringungsmix aus mobilen Wohnanlagen (2.798 Plätze), Bestandsgebäuden (3.436 Plätze gemietet; 612 Plätze im Eigentum) sowie Notlösungen (1.220 Plätzen). Die beiden für ein Jahr als Notlösung errichteten Traglufthallen konnten planmäßig im Oktober leer gezogen werden und werden aktuell abgebaut. Auch die Uniturnhalle, die vorübergehend ebenfalls als Notlösung mit Flüchtlingen belegt war, konnte bereits im Sommer aufgegeben werden. Insgesamt werden 2016 rund 1.200 Plätze und 2017 noch einmal 1.800 Plätze aufgrund auslaufender Verträge nicht mehr zur Verfügung stehen. Dem stehen jedoch rund 3.400 neue Plätze gegenüber, die teilweise noch 2016 beziehungsweise 2017 neu geschaffen werden.

Derzeit sind die Wohnmodulanlagen Oberlöricker Straße (400 Plätze, Fertigstellung bis im ersten Quartal 2017), In der Nießdonk (370 Plätze, Fertigstellung bis Ende des Jahres 2016), Auf'm Tetelberg/Völklinger Straße (320 Plätze, Fertigstellung Ende 1. Quartal 2017), Franz-Rennefeld-Weg/Lichtenbroicher Weg (160 Plätze, Fertigstellung Ende 1. Quartal 2017) im Bau. Weitere Anlagen an der Ickerswarder Straße und an der Lützenkircher Straße sind noch in der Planungsphase. Außerdem sollen auf dem Gelände der Bergischen Kaserne bis Ende 2016 384 Plätze in Leichtbauhallen entstehen. Auch auf dem Gelände der ehemaligen Schule an der Borbecker Straße sollen zusätzlich zum bereits genutzten ehemaligen Schulgebäude bis Jahresende Leichtbauhallen mit 144 Plätzen errichtet werden. Außerdem rechnet die Stadt damit, dass noch in diesem Jahr die Sammelunterkünfte in bestehenden Gebäuden am Höher Weg (250 Plätze), an der Monschauer Straße (100 Plätze) und an der Straße Zum Märchenland (130 Plätze) bezogen werden können. Eine weitere Unterkunft mit 250 Plätzen soll im nächsten Jahr am Gather Weg entstehen. Ein Schwerpunkt für 2017 wird auch darin bestehen, Wohnungen für Flüchtlinge mit verfestigtem Aufenthaltsstatus bereitzustellen und Ersatz für die teurern Hotelunterbringungen und anderen Notlösungen zu schaffen.

Alle neuen Unterkünfte wurden in Bürgerforen im Vorfeld und bei Infoveranstaltungen in den neuen Unterkünften den Anwohnerinnen und Anwohnern vor Inbetriebnahme vorgestellt. Das wird auch bei den zukünftig noch zu errichtenden Unterkünften so gehandhabt. Viele Fragen können auch schon bei den in diesem Jahr eingeführten regelmäßigen Sprechstunden der Flüchtlingsbeauftragten geklärt werden.

In diesem Jahr konnten weiteren Welcome Points eröffnet werden, darunter drei über das Sonderprogramm NRW. Welcome Points, also Anlaufstellen für Flüchtlinge, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und die Bewohner des Stadtteils gibt es nun in Lohausen an der Niederrheinstraße,in Flingern am Platz der Diakonie, in Bilk an der Merowinger Straße, in Oberkassel an der Niederkasseler Straße, in Rath auf dem Rather Kreuzweg und in Eller an Gumbertstraße. Bereits Anfang 2016 ging die kommunale Erstaufnahmeeinrichtung am Vogelsanger Weg in Betrieb. Dort erfolgt die Registrierung und die Flüchtlinge können ihre Anträge stellen, bevor sie in ihre endgültigen Unterkünfte umziehen. Das Gesundheitsamt bietet die Erstuntersuchung für alle Flüchtlinge an und dort ist auch der Sitz des Fachbereichs "Wirtschaftliche Hilfen für Flüchtlinge" des Amtes für soziale Sicherung und Integration. Kurze Wege sind also garantiert.

Für die über 400 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die die Stadt in Obhut nehmen muss, konnte inzwischen ein gut funktionierendes Clearing-Verfahren eingeführt werden, bei dem innerhalb weniger Tage für jeden Jugendlichen eine adäquate Betreuungslösung gefunden wird. In einem umgebauten ehemaligen Seniorenheim an der Ludwig-Beck-Straße finden rund 70 unbegleite minderjährige Flüchtlinge ein Zuhause und werden von einem Verbund aus vier Wohlfahrtsverbänden betreut.

Ende März verabschiedete sich die Stadt als Betreiberin des Drehkreuzes am Flughafen. Seit September 2015 waren dort 128 Züge mit Flüchtlingen angekommen und die Menschen von dort auf ihre Unterkünfte im Lande verteilt worden. An jedem zweiten Tag standen durchschnittlich 170 Unterstützerinnen und Unterstützen aus 28 Organisationen, Behörden und den ehrenamtlichen Netzwerken bereit, um die Flüchtlinge zu empfangen, zu verköstigen und mit dem Allernotwendigsten zu versorgen.

Für eine weitere Heruasforderung sorgte in diesem Jahr der Brand in der als Flüchtlingsunterkunft genutzten Halle an der Messe (7. Juni). 282 Flüchtlinge verloren nicht nur von jetzt auf gleich ihre Unterkunft sondern auch das wenige Hab und Gut. In der Flüchtlingsunterkunft an der Roßstraße fanden sie eine neue Bleibe.

Auch die lang anhaltende Hitzeperiode im Fühjahr stellte vor allem für die knapp 600 Bewohnerinnen und Bewohner der Traglufthallen eine starke Belastung dar. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten konnte das Temperaturproblem in den Hallen aber zumindest auf ein erträgliches Maß reduziert werden.

Wichtig ist im Hinblick auf das kommende Jahr besonders, dass die anerkannten Flüchtlinge in Wohnraum vermittelt werden können. Dies ist ein Schwerpunkt, mit dem sich die Flüchtlingsbeauftragte 2017 befassen will. Dazu wird ein neuer Arbeitskreis ins Leben gerufen werden.

Das Thema Integration wird ein weiterer wichtiger Baustein für das kommende Jahr darstellen. Vor dem Hintergrund des Flüchtlingskonzeptes und dem bald vorliegenden Integrationskonzept wird der Integrationsweg Düsseldorf konkretisiert. Dabei muss die Dienstleistungskette zu den Themen Sprache, Arbeit, Wohnen überprüft, neu strukturiert und ergänzt werden.

Nicht zuletzt dankt Koch sowohl den ehrenamtlichen wie auch den hauptamtlichen Kooperationspartnern und Unterstützern. Ohne sie hätten die Herausforderung der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen nicht so weitestgehend problemlos gelöst werden können.