Goldschmied Michael Becker erhält den Friedrich Becker Preis
| Kultur
Michael Beckers Siegercollier: Ein Werk der klassischen Goldschmiedekunst aus Gold und Lapislazuli mit zeitgenössischer Forminterpretation.
Die Werke des Gewinners und weiterer 42 namhafter Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden im Rahmen einer Ausstellung im Stadtmuseum präsentiert und dort bis Donnerstag, 30. März zu sehen sein. Die Preisverleihung findet am Samstag, 4. März, 11 Uhr, im Stadtmuseum, Berger Allee 2, statt.
Mit der Vergabe des Friedrich Becker Preises, gestiftet von Hildegard Becker, will die Gesellschaft für Goldschmiedekunst Hanau an den besonderen Menschen und großen Gestalter Friedrich Becker erinnern und ganz in seinem Sinne die Besten einer nachfolgenden Gestaltergeneration auszeichnen. Der Friedrich Becker Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 1999 alle drei Jahre von der Gesellschaft für Goldschmiedekunst Hanau für hervorragendes eigenständiges Design von höchster Ausführungsqualität vergeben. Die bisherigen Preisträger sind: Rudolf Bott (1999), Anette Walz (2002), Peter Bauhuis (2005), Robert Baines (2008), Alexander Vohswinkel (2011) und Sam Tho Duong (2014).
Die Jury entschied sich, den Goldschmied Michael Becker (*1958, Paderborn) aus München mit dem Preis auszuzeichnen. Von 1982 bis 1987 studierte Becker Bildhauerei und Edelmetallgestaltung an der Fachhochschule für Kunst und Design in Köln bei Prof. Peter Skubic. Seit 1988 arbeitet der Künstler in seinem eigenen Atelier in München. Er ist mit seinen Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland sowie in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Zwischen 1987 und 2002 wurde Michael Becker mit namhaften Preisen ausgezeichnet, zuletzt mit dem Bayrischen Staatspreis der Internationalen Handwerksmesse München (IHM).
Die Jury zeichnete mit dem Halsschmuck Beckers ein Werk der klassischen Goldschmiedekunst aus Gold und Lapislazuli mit zeitgenössischer Forminterpretation aus. Die Arbeit verweist auf eine langjährig gestalterisch tätige, erfahrene Künstlerpersönlichkeit. Der magische Auftritt von Gold und Blau wird nach einem durchdachten Konzept in Szene gesetzt. Durch die naturgebrochene Oberfläche des Lapislazuli entsteht eine räumliche Wirkung, die durch die Variation der Einzelglieder verstärkt wird. Ein Halsschmuck mit überraschenden Ansichten für Trägerin und Betrachter, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet.
Künstler zeigen innovativen Gestaltungsansatz
Neben dem Preisträger zeigt die Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf bis zum 30. März außerdem Arbeiten von 42 weiteren Künstlern aus dem In- und Ausland. Mit einem ausgefallenen Halsschmuck und einer Brosche aus Stahlgewebe mit leuchtend blauem Farbakzenten ist die Paduaner Schmuckgestalterin Annamaria Zanella vertreten. In den aus Titan gefertigten Broschen von Pavel Opočenský aus Tschechien steht das Spiel mit geometrischen Segmenten und deren geschickten Überschneidungen im Mittelpunkt. Svenja John aus Berlin widmet sich in ihrem zartfarbigen, kleinteiligen Armschmuck dem Material Polycarbonat, Silvia Weidenbach aus London kontrastiert in ihren farbkräftigen Broschen 3D gedrucktes Nylon und synthetische Steine.
Der Japaner Jiro Kamata aus München erzeugt in seinem Halsschmuck aus dichroitischem Glas ein lebhaftes Farbspiel, Momoko Kumai aus Yokohama widmet sich in ihren raumgreifenden Armreifen dem japanischen Lack. Der Franzose Philip Sajet greift in seinem "Sun Ring" ein fossiles Material, den Bernstein auf und verleiht ihm eine ganz eigene Ausstrahlung. Bettina Speckner aus München widmet sich in ihren beiden Broschen dem Thema der Alutypie, die in Berlin lebende Griechin Vivi Touloumidi greift in ihren Broschen Bimsstein auf und lässt seine natürliche Oberflächenstruktur zur Wirkung kommen. Annelies Planteijdt aus den Niederlanden zeigt in der Ausstellung zwei Halsketten aus Gold und Tantal ihrer Serie "Beautiful City".
Der Metallgestalter Andres Decker aus Hildesheim lässt auf seiner Aluminiumschale Blüten in Pink und Gelb erblühen, die in ihrer Ausstrahlung von technischer Raffinesse leben. Beate Leonards aus Lübeck zeigt in ihren Vasen einen äußerst interessanten Umgang mit eloxiertem Aluminium und patiniertem Tombak.
Allen Arbeiten ist ein äußerst innovativer Gestaltungsansatz gemeinsam, sie zeigen die Möglichkeiten im Umgang mit neuen Materialien in der Schmuck- und Gerätgestaltung. Von Dienstag, 4. April bis Sonntag, 7. Mai wird die Ausstellung zudem im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau zu sehen sein.
Ausschreibung Friedrich Becker Preis
Eingereicht werden konnten Schmuck oder Gerät als Unikat oder Prototyp einer Serie, dessen innovativer Charakter Friedrich Beckers Werk entspricht und in den letzten drei Jahren entstanden ist. Die Miteinbeziehung neuer Materialien und Techniken ist ebenso erwünscht wie der Umgang mit klassischen Materialien der Schmuck- und Gerätgestaltung. Zur Teilnahme eingeladen waren Gold- und Silberschmiede, Schmuck- und Metallgestalter, Designer aus dem In- und Ausland. Jeder Teilnehmer konnte maximal drei Arbeiten einreichen.
Hintergrund: Professor Friedrich Becker
Professor Friedrich Becker (1922–1997) gehörte zu den herausragenden Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit. Als international bekannter Goldschmied, als Gestalter kinetischer Objekte und Designer im Umkreis der Düsseldorfer Kunstszene wurde er prägend für die Goldschmiedekunst der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Unter anderem schuf er die Amtskette des Düsseldorfer Oberbürgermeisters. Für seine Werke erhielt er weltweit Preise und höchste Anerkennungen. Bedeutende Museen nahmen seine Arbeiten in ihre Sammlungen auf und zeigen sie in zahlreichen Ausstellungen.