Pressedienst Einzelansicht
Kultur
A. L. Kennedy im Düsseldorfer Rathaus mit dem Heine-Preis 2016 ausgezeichnet
Der britischen Schriftstellerin Alison Louise Kennedy wurde im Rahmen eines Festaktes am Sonntag, 11. Dezember, der Literatur- und Persönlichkeitspreis überreicht
Erstellt:
Die britische Schriftstellerin Alison Louise Kennedy wurde am Sonntag, 11. Dezember, im Rahmen eines Festaktes im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses mit dem Heine-Preis 2016 der Landeshauptstadt Düsseldorf ausgezeichnet. Der Heine-Preis zählt zu den bedeutendsten Literatur- und Persönlichkeitspreisen in Deutschland und wird seit 1972 verliehen; er ist mit 50.000 Euro dotiert. Der Preis wird traditionell rund um Heinrich Heines Geburtstag (13. Dezember) überreicht. Oberbürgermeister Thomas Geisel nahm die Ehrung vor, die Laudatio wurde von Prof. Dr. Julika Griem vorgetragen.
A. L. Kennedy: "Ich möchte den Mitgliedern der Jury des Heinrich-Heine-Preises danken, dass sie mir die Ehre dieses Preises zuteil werden lassen; wenn mich Menschen von intellektueller Strenge und gutem Urteilsvermögen für eine gute Autorin halten, kommt das in gewisser Weise immer überraschend. Und wenn man eines Preises für würdig befunden wird, der dazu auch noch das Versprechen der Menschheit und die Rolle des Schreibens im fortdauernden Projekt menschlicher Zivilisation feiern will, so ist das sehr bewegend. Mit dem Geist in Verbindung gebracht zu werden, der in Heines Schreiben steckt, mit seinem Mitgefühl, seiner Vorstellungskraft, seinem Wagemut, seiner Trauer und seiner Empörung – das ist mehr, als ich mir je für mich selbst oder meine Arbeit erhofft hätte."
Die Laudatio wurde von Prof. Dr. Julika Griem vorgetragen, die ihren Ehemann Hubert Spiegel vertrat - dieser konnte krankheitsbedingt nicht zur Verleihung erscheinen. "A. L. Kennedys Bücher sind Herzkammerspiele und Expeditionen auf Messers Schneide. Die Entschlossenheit dieser Autorin, ihr Wagemut, ihre ungeheure poetische Imaginationsenergie, die Neugier auf alles Menschliche und die unumstößliche Zuversicht, sich in jedem menschlichen Herzen zurechtfinden zu können, das sind die Kräfte, die dieses literarische Werk vorantreiben und denen es seine Einzigartigkeit verdankt", so Hubert Spiegel im Vorfeld der Verleihung.
Oberbürgermeister Thomas Geisel: "In diesem Jahr hat die Jury mit A. L. Kennedy eine Preisträgerin ausgewählt, die ein ähnliches Gespür für gefährliche gesellschaftliche und politische Entwicklungen hat wie Heinrich Heine. Stets pointiert, feinfühlig, oft ironisch oder sarkastisch ist sie eine kritische Weltbürgerin, die voller Sorge um die Menschen beobachtet, welchen Abgründen die Menschheit und die Gesellschaft in der Welt und in ihrem Heimatland entgegensteuern."
Die Heine-Preis-Jury traf ihre Entscheidung für A. L. Kennedy am 1. Oktober. Die Jury begründete ihr Votum wie folgt: "Der Heinrich-Heine-Preis der Landeshauptstadt Düsseldorf 2016 wird an A. L. Kennedy verliehen. Ausgezeichnet wird die Autorin für ihr eigenwilliges literarisches Werk, in dem sie die Grenzen menschlicher Seele und zugleich die des Schreibens auslotet - nie ohne Humor, abgründig und zärtlich. Ihr Blick auf politische und soziale Zustände schärft gesellschaftliche Diskussionen, etwa über den Irak-Krieg oder den Brexit. In der Tradition Heinrich Heines ist A. L. Kennedy eine große Literatin und eine streitbare Europäerin."
Kurzvita der Preisträgerin:
A. L. Kennedy schreibt neben Romanen und Kurzgeschichten für Theater, Fernsehen und Radio. Seit dem Jahr 2000 hat sie eine politische Kolumne in der Tageszeitung "The Guardian". Seit 2007 ist A. L. Kennedy Professorin für Kreatives Schreiben an der University of Warwick. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Alison Louise Kennedy wurde am 22. Oktober 1965 in Dundee geboren. Sie studierte an der Universität von Warwick Theater und Drama. Zum ersten Mal veröffentlichte sie 1991 eine Sammlung von Kurzgeschichten in dem Band "Night Geometries and the Garscadden Trains". Seither veröffentlicht A. L. Kennedy ihre Romane und Erzählungen unter ihren Initialen, genauso wie ihre Lieblingsschriftsteller E. E. Nisbett und J. R. R. Tolkien. Heute zählt Kennedy zu den erfolgreichsten zeitgenössischen europäischen Schriftstellerinnen.
A. L. Kennedy - eine Auswahl ihrer Publikationen
Ihr Roman "Gleißendes Glück" erschien 2000 in deutscher Übersetzung, 1999 wurde das Werk unter dem Titel "The Original Bliss" dem amerikanischen Buchmarkt präsentiert. Die Verfilmung des Werkes ist in diesem Jahr in die Kinos gekommen. In ihren Werken thematisiert A. L. Kennedy soziale und gesellschaftliche Zustände. 2001 erschien unter dem Titel "Einladung zum Tanz", Kennedys Debütroman in Deutschland - dieser wurde bereits 1993 unter "Looking for the Possible Dance" herausgegeben: Der Sozialarbeiterin Margaret Hamilton wird plötzlich gekündigt. Auf einer Zugfahrt reist sie durch Erinnerungen und Ereignisse ihres Lebens. Mary Lamb ist die Hauptfigur in Kennedys Roman "Alles, was du brauchst" (2002). Mary Lamb ist ohne Eltern aufgewachsen und will im Alter von 19 Jahren Schriftstellerin werden. Ihr Weg führt auf eine Schriftstellerinsel, auf welcher die Regel gilt, sich durch missglückte Selbstmordversuche dem Schreiben zu nähern. 2004 sorgte Kennedys Bestseller "Also bin ich froh" ("So I Am Glad", 1995) auch für große Resonanz in den deutschen Feuilletons. Durch die Entwicklung der britischen Politik bewegt, steht Kennedy seit 2005 auch als Stand-up Comedian auf der Bühne, so beim Edinburgh Festival. 2007 erscheint mit "Day" ein historischer Roman von Kennedy: Ein britischer Bomber-Heckschütze will in einem Kriegsfilm mitspielen und so sein Trauma nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges überwinden. Zu den aktuellen Publikationen zählen "Das blaue Buch" (2012), "Ein schlechter Sohn" (2014), "Der letzte Schrei" (2015), "Schreiben" und "Leises Schlängeln" (2016).
Der Heine-Preis
Der Heine-Preis wird durch die vom Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf eingesetzte Jury "an Persönlichkeiten verliehen, die durch ihr geistiges Schaffen im Sinne der Grundrechte des Menschen, für die sich Heinrich Heine eingesetzt hat, den sozialen und politischen Fortschritt fördern, der Völkerverständigung dienen oder die Erkenntnis von der Zusammengehörigkeit aller Menschen verbreiten".
Der Preis, den Düsseldorf als Vaterstadt zu Ehren des 1797 geborenen Heinrich Heine gestiftet hat, wird zum 20. Mal vergeben. Bisherige Heine-Preisträger sind: Carl Zuckmayer (1972), Pierre Bertaux (1975), Sebastian Haffner (1978), Walter Jens (1981), Carl Friedrich von Weizsäcker (1983), Günter Kunert (1985), Marion Gräfin Dönhoff (1988), Max Frisch (1989), Richard von Weizsäcker (1991), Wolf Biermann (1993), Wladyslaw Bartoszewski (1996), Hans Magnus Enzensberger (1998), W.G. Sebald (2000), Elfriede Jelinek (2002), Robert Gernhardt (2004), Amos Oz (2008), Simone Veil (2010), Jürgen Habermas (2012) und Alexander Kluge (2014).
Der Heine-Preis-Jury 2016 gehörten an:
als Vertreter der Landeshauptstadt Düsseldorf:
Thomas Geisel (Oberbürgermeister/Vorsitzender der Jury)
Hans-Georg Lohe (Kulturdezernent)
Dr. Sabine Brenner-Wilczek (Direktorin des Heinrich-Heine-Instituts)
als Vertreter der Fraktionen:
Dr. Veronika Dübgen (FDP)
Dr. Michael Klepsch (Die Linke)
Cornelia Mohrs (SPD)
Dr. Susanne Schwabach-Albrecht (CDU)
Karin Trepke (Bündnis 90/Die Grünen)
als Fachjuroren:
Dr. Traudl Bünger (Köln, Autorin, Literaturveranstalterin lit.cologne)
Reinhard Gorenflos (München, Kuratoriumsmitglied Stiftung Lyrik Kabinett)
Jochen Hieber (Frankfurt, Autor und Journalist)
Dr. Florian Höllerer (Berlin, Leiter Literarisches Colloquium Berlin)
Dr. Wolfgang Trautwein (Berlin, Archivdirektor a.D. der Akademie der Künste)
als entsandte Mitglieder:
Prof. Dr. Anja Steinbeck (Rektorin der Heinrich-Heine-Universität)
Dr. Johannes Willms (Journalist, Heinrich-Heine-Gesellschaft).




