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Stadtgrün Umwelt

Stadt trifft Vorkehrungen gegen den Eichenprozessionsspinner


Erstellt:
Redaktion: Buch, Michael

In den kommenden Tagen schlüpfen die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Zum Schutz der Bevölkerung hat die Stadt bereits Fallen in Bäumen an besonders sensiblen und hoch frequentierten Stellen angebracht. Gleichzeitig ruft sie die Düsseldorferinnen und Düsseldorfer zur Vorsicht auf. Denn die Haare des Eichenprozessionsspinners können bei Kontakt zu Hautausschlägen, Bindehautentzündungen, Juckreiz und asthmaähnlichen Reaktionen führen.

Vorbeugender Schutz gegen gesundheitsgefährdende Raupen
Ab Anfang Mai besprüht die Stadt zudem rund 750 Eichen gezielt mit einem Biozid. Dabei konzentriert sich die Verwaltung auf Bäume, die in den Vorjahren immer wieder stark befallen waren und in der Nähe von Spielplätzen, Schulhöfen, Kindergärten, an Hauptwegen auf Friedhöfen und stark frequentierten Straßen stehen. Somit liegt der Fokus auf Orten, an denen die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners viele Menschen gefährden könnten. Während und nach den Arbeiten sperrt die Stadt die betroffenen Bereiche ab und achtet darauf, dass sie nicht betreten werden. Erst nach Freigabe sind diese wieder uneingeschränkt nutzbar.

Hintergrund zum Biozid
Das Gartenamt der Stadt Düsseldorf behandelt nach dem Blattaustrieb rund 750 Eichen gezielt mit dem mikrobiologischen Biozid "Foray ES". Das Mittel wird in Form einer Ölsuspension aufgesprüht. Die Raupen nehmen die darin enthaltenen Bakterien von den Eichenblättern auf, kurze Zeit später stellt sich bei den Tieren ein Fraßstopp ein. Die Maßnahme dient der Vorbeugung einer Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners.

Einsatz von Fallen auch in diesem Jahr
Zusätzlich bekämpft das Gartenamt den Eichenprozessionsspinner mit Fallen. Diese enthalten einen natürlichen Lockstoff aus der Stieleiche und fangen die Raupen in Beuteln am Baum auf. Nach Testeinsätzen in den vergangenen Jahren hat sich diese Methode bewährt. Die Stadt bestückt etwa 100 Bäume mit solchen Fallen.

Erste Hilfe bei Kontakt mit Brennhaaren
Menschen können direkt in Kontakt mit den Raupen oder Raupennestern kommen – ein Abstand von mindestens 10 bis 15 Metern wird empfohlen. Zudem werden die Brennhaare über den Wind verbreitet. Man spricht auch von einem "Flimmern", da die Härchen Sonnenstrahlung reflektieren.

Sollte es zu einem Kontakt gekommen sein, kann der Körper bis zu acht Stunden danach mit einer Rötung der Haut und starkem Juckreiz reagieren. 

Was ist zu tun, wenn ein Mensch mit den Raupenhaaren des Prozessionsspinners in Kontakt gekommen ist?
•    nicht kratzen, sonst dringen die Haare tiefer in die Haut ein
•    Kleidung sofort wechseln und bei mindestens 60°Celsius waschen
•    gründlich duschen und Haare waschen

Sofort einen Arzt aufsuchen:
•    bei Augenkontakt (Entwicklung einer Bindehautentzündung)
•    bei Atemnot
•    Bei geringfügiger ausgeprägten Hautsymptomen ist meist keine Gegenmaßnahme erforderlich. Eingedrungene Brennhaare können mit Hilfe der Klebeseite von Pflasterstreifen entfernt werden.

Düsseldorferinnen und Düsseldorfer können befallene Bäume melden
Wer einen befallenen Baum im Stadtgebiet entdeckt, kann ihn der Stadt per E-Mail an eps@duesseldorf.de melden. Fotos sowie eine genaue Beschreibung des Standorts sind dabei hilfreich. Für die Beseitigung auf Privatgrundstücken ist der Eigentümer zuständig.

Oft werden die Raupen des Eichenprozessionsspinners mit den harmlosen Gespinstmotten verwechselt, die an Straßenrändern verschiedene Bäume und Sträucher einspinnen und diese wie in Zuckerwatte gehüllt aussehen lassen. Die beutelförmigen Nester des Eichenprozessionsspinners sind dagegen ausschließlich an Eichen zu finden, meist in mehreren Metern Höhe am Stamm. Vorsicht ist besonders bei Bodennestern geboten.

Schädlinge profitieren vom Klimawandel
Die Folgen des Klimawandels sind Ursache für eine Vielzahl von negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Lange und heiße Trockenperioden vermindern die Vitalität des Baumbestands und machen ihn anfällig für den Befall mit Insekten und anderen Parasiten. Zeitgleich fördern sie die Entwicklung von Schaderregern, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen können.

Schon seit einigen Jahren ist das verstärkte Auftreten von Eichenprozessionsspinnern in urbanen Bereichen vieler Städte problematisch. Nach aktuellen Prognosen fördert der Klimawandel die Verbreitung und Vermehrung des Eichenprozessionsspinners in den nächsten 50 Jahren, sodass seine Bekämpfung auch zukünftig eine Herausforderung bleibt.

Zum Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner ist eine heimische und wärmeliebende Schmetterlingsart, die vor allem von warmen Frühjahrstemperaturen profitiert. In der Zeit von April bis Mai schlüpfen die Raupen aus ihren Eiern und beginnen mit dem Reifefraß. In den ersten Wochen ernähren sie sich von frischen Blattknospen und Blättern. Dabei wandern sie in so genannten "Prozessionen" zu ihren Fraßstellen. Nach wenigen Wochen bilden sie für das menschliche Auge unsichtbare Brennhaare aus. Diese enthalten den Wirkstoff Thaumetopoein, der für allergische Reaktionen beim Menschen verantwortlich ist. Ab Juni verpuppen sich die Raupen in selbstgesponnen, braunen Kokons, die oftmals dicht beieinander größere Nester bilden. Die ausgewachsenen Falter schlüpfen im August und beginnen nach der Paarung mit der Eiablage.

Natürliche Feinde des Eichenprozessionsspinners sind unter anderem Raupenfliegen, Erzwespen, Wanzen, Waldameisen sowie Kohlmeise, Buntspecht und Kuckuck. Die vielen Prädatoren reduzieren auf herkömmliche Weise das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners. Der Effekt wirkt jedoch nur zeitverzögert, da die Anzahl der Fressfeinde erst über die Jahre infolge des Nahrungsangebotes zunimmt. Um die von den Raupen ausgehenden Risiken einzuschränken, sind daher künstliche Bekämpfungsmaßnahmen notwendig.

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