Gedenken an die während der NS-Zeit ermordeten Düsseldorfer Sinti
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Anlässlich des 77. Jahrestages der Deportation von Düsseldorfer Sinti aus dem städtischen so genannten "Zigeunerlager Höherweg" in das Sammellager in Köln-Deutz und von dort in die Ghettos im besetzten Polen findet erstmals eine Gedenkveranstaltung statt. Die Düsseldorfer Sinti-Union e.V. und die Mahn- und Gedenkstätte erinnern damit an den 16. Mai 1940, an dem das Lager von Polizei und SS umstellt und ein Großteil der dort seit 1937 internierten Sinti verschleppt wurde.
Die Kölner Messehallen waren nur ein Zwischenstopp für die Familien. Rund 2.500 Sinti und Roma waren zuvor in Hamburg, Stuttgart und Köln "gesammelt" worden. In Deutz kamen so rund 330 Sinti und Roma aus Düsseldorf und dem Ruhrgebiet, mehr als 400 aus dem Kölner Stadtgebiet, weitere 200 aus dem Kölner Regierungsbezirk, aus Aachen, Bonn, Koblenz und Trier zusammen. Am 21. Mai 1940 erfolgte dann vom Bahnhof Deutz-Tief aus der Abtransport. In Polen wurden die Deportierten in provisorische Unterkünfte eingewiesen und zu schwerster Zwangsarbeit heranzogen, etwa zum Bau von Grenzbefestigungen, Straßen, Flugplätzen und Lagern. Die wenigsten dieser Menschen überlebten die NS-Zeit.
Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr an der Gedenktafel am Höherweg/Ecke Posener Straße. Hier sprechen Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke und Thorsten Klute, Staatssekretär für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Grußworte an die Gäste. Rigoletto Mettbach, Vorsitzender der Sinti Union Düsseldorf e.V. und Sohn von KZ-Überlebenden, sowie der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann, sprechen Worte des Gedenkens.
Zweite Station im Anschluss ist das Mahnmal "Ehra – Mädchen mit Ball" in der Düsseldorfer Altstadt (Alter Hafen). Das Mahnmal erinnert an die Sintezza Ehra, die mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Ehra hat als eine der wenigen überlebt. In Erinnerung an die Verstorbenen und als Zeichen der Freude über die heutige Integration der Sinti als selbstbewusste Minderheit innerhalb der vielfältigen Düsseldorfer Stadtgesellschaft findet im Anschluss an die Kranzniederlegung ein Konzert mit Sinti-Jazz im Alten Hafen statt. Es wird das "Rigo Winterstein Swingtett" auftreten. Bei schlechtem Wetter wird das Konzert in die Mahn- und Gedenkstätte verlegt.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Eine gemeinsame Veranstaltung von Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und der Sinti-Union Düsseldorf e.V. im Rahmen des Projektes: "600 Jahre Vorurteile – Warum?", das mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW gefördert wird.