Wolfgang Rolshoven Antisemitismusbeauftragter

Wolfgang Rolshoven, Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert
Wolfgang Rolshoven, Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

Wolfgang Rolshoven Antisemitismusbeauftragter

Wolfgang Rolshoven ist seit Juli 2025 der Beauftragte zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens in Düsseldorf.

Wolfgang Rolshoven: "Leider müssen wir miterleben, dass die Zahl der antisemitischen Vorfälle auch in unserer Stadt in den vergangenen Jahren wieder zugenommen hat. Dabei ist und bleibt klar: Für Antisemitismus gibt es keine Entschuldigung, keine Relativierung und keine Toleranz: Antisemitismus bleibt in jeder Form inakzeptabel. Umso mehr sind wir gefordert, entschlossen dafür einzutreten, dass jüdisches Leben in Düsseldorf sicher, sichtbar und uneingeschränkt möglich ist. Jeder Form von Judenhass müssen wir entschieden und mit allen rechtsstaatlichen Mitteln entgegentreten. In meiner Funktion als Antisemitismusbeauftragter sehe ich es als meine besondere Aufgabe, hierzu aktiv beizutragen, als Ansprechpartner und Vermittler zu fungieren und klare Zeichen zu setzen.“

Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hatte in seiner Sitzung im Dezember 2024 die Einrichtung einer eigenständigen Position zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Förderung jüdischen Lebens in Düsseldorf beschlossen. Gleichzeitig schloss sich die Stadt der Resolution des Deutschen Bundestages vom 7. November 2024 “Nie wieder ist jetzt: Jüdisches Leben in Deutschland schützen, bewahren und stärken” an und erkannte damit auch die IHRA-Definition an (siehe unten).

Der Antisemitismusbeauftragte – im Büro des Oberbürgermeisters angesiedelt und dort durch eine eigene Stabsstelle unterstützt – soll insbesondere Maßnahmen zur Antisemitismusprävention koordinieren, Projekte initiieren und ein starkes Netzwerk mit gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren aufbauen. Ziel ist es, durch gemeinsame Initiativen sowie Einwerbung von Drittmitteln langfristig wirksame Strukturen gegen Antisemitismus zu schaffen und jüdisches Leben in Düsseldorf sichtbar zu stärken. Darüber hinaus sollen gezielt Projekte und Kooperationen unterstützt werden, die jüdische Kultur, Geschichte und Gegenwart im städtischen Leben präsenter machen und den interkulturellen Dialog fördern.

Der Antisemitismusbeauftragte ist ebenso Ansprechpartner für Personen, die von antisemitischen Vorfällen betroffen sind. Der Kontakt kann über die E-Mail-Adresse gegen-antisemitismus@duesseldorf.de aufgenommen werden.

Die nachfolgenden Ausführungen helfen bei der Einstufung und Erkennung von Antisemitismus. Die Texte sind der Handreichung "Was tun bei Antisemitismus an Schulen" entnommen, die Sie weiter unten komplett herunterladen können.

Was ist Antisemitismus?

Antisemitismus beschreibt die Abneigung und den Hass gegenüber Jüdinnen und Juden. Das Phänomen hat heute viele Gesichter: Es kann beispielsweise religiös, rassistisch oder politisch aufgeladen sein. Antisemitische Abwertungen, Sprachbilder und Übergriffe führen zu psychischen und physischen Verletzungen. Sie sind verbunden mit Hilflosigkeit, Isolation, Ängsten und sind zutiefst menschenverachtend. Es gibt den klassischen Antisemitismus, der alte Vorurteile wiederholt. Und es gibt den sekundären Antisemitismus, der aufgrund des Holocausts (Shoa) entstand. Dieser benutzt die alten Vorurteile, um den Jüdinnen und Juden Schuld zuzuschreiben und eine Auseinandersetzung mit den eigenen Verbrechen zu vermeiden. Der israelbezogene Antisemitismus entspricht einer Übertragung des Hasses gegen „die Juden“ auf den Staat Israel. Diese Form des Antisemitismus zeigt sich, wenn der Staat Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Standards beurteilt wird.

International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)

Ein nützliches Instrument zur Einordnung von Fällen ist die Arbeitsdefinition Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Diese wurde von der Bundesregierung in folgender Fassung verabschiedet:

„Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen. Darüber hinaus kann auch der Staat Israel, der dabei als jüdisches Kollektiv verstanden wird, Ziel solcher Angriffe sein.“

Antisemitismus erkennen

Antisemitismus hat viele Erscheinungsformen und fängt nicht erst bei Beleidigungen wie „Du Jude!“ oder körperlicher Gewalt an. Er zeigt sich oft auch unterschwellig in Generalisierung und Othering, Diskriminierung und Verschwörungsdenken sowie in sprachlichen Codes. Auch im Kontext Mobbing taucht Antisemitismus auf.

Generalisierung und Othering

Antisemitismus äußert sich in Form von Generalisierung und Othering von Jüdinnen und Juden:
• So werden jüdische Menschen ungefragt als „Experten“ für die israelische Politik herangezogen.
• An sie werden Erwartungshaltungen wie Positionierungen zur Israel-Palästina-Frage gestellt.
• Oder sie werden gar nicht als Teil der deutschen Gesellschaft, sondern als „die Anderen“ betrachtet.

Diskriminierung und Verschwörungsdenken

Neben offenem und damit klar erkennbarem Antisemitismus – verbale und körperliche Gewalt – zeigen sich in der Schule oft unterschwellige Formen wie Diskriminierung und Verschwörungsdenken. Hierzu zählen die Zuschreibungen von Reichtum, Macht, Vernetzung und Täuschung, die man mit jüdischen Menschen in Verbindung bringt.

Sprachcodes

Es gibt grundlegende antisemitische Denkmuster, die sich im Sprachgebrauch manifestieren. Häufig werden diese in aktuellen gesellschaftlichen Krisen bemüht, um einfache Erklärungen und Schuldige für komplexe Phänomene zu finden. Man greift in Sprachbildern auf alte Stereotype und Vorurteile zurück. Wer die weltweite zionistische Lobby und den Great Reset beschwört, bedient das uralte Bild von der jüdischen Weltverschwörung, ohne diese explizit zu benennen. In der Parole Kindermörder Israel scheinen beispielsweise die alten Ritualmord-Stereotype durch. Um aktuelle Veränderungen im Sprachgebrauch verfolgen und Äußerungen einschätzen zu können, ist es notwendig, sie auf die grundlegenden Denkmuster hin zu überprüfen.

Straftatbestände

Vielfach sind antisemitische Vorfälle auch Straftaten. Justiziabel sind etwa das Zeigen und Verbreiten von Propagandamitteln und Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (Paragraf 86a Strafgesetzbuch), die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener (Paragraf 189), Volksverhetzung (Paragraf 130) oder Holocaustleugnung (Paragraf 130, Absatz 3).

 

 

Projekte und Maßnahmen im Kampf gegen den Antisemitismus

Projekte und Maßnahmen im Kampf gegen den Antisemitismus

  • Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf: Seit 1987 trägt sie maßgeblich mit der Organisation und Durchführung von Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen, Bildungsprojekten und vielem mehr maßgeblich zur Präventionsarbeit bei. Seit April 2024 auch im Beatrice-Strauss-Zentrum an der Marktstraße, wo Bildungsprogramme und Vorträge durchgeführt werden.
  • Seit Mai 2018 besteht der Arbeitskreis "Antisemitismus an Düsseldorfer Schulen", an dem das Amt für Schule und Bildung, die Mahn- und Gedenkstätte, SABRA, die Jüdische Gemeinde, RIAS NRW, das Zentrum für Schulpsychologie, das Büro des Oberbürgermeisters, der Kriminalpräventive Rat sowie das Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung der Landeshauptstadt beteiligt sind und der nachhaltige Strategien im Kampf gegen den Antisemitismus entwickelt.
  • Der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf hat mehrfach Petitionen gegen Antisemitismus verabschiedet.
  • Die Stadt unterstützt bzw. beteiligt sich an Kundgebungen, Mahnwachen und Spaziergänge(n) in Erinnerung an die Hamas-Geiseln und hat mit symbolischen Gesten auf den zunehmenden Antisemitismus und die Lage in Israel aufmerksam gemacht.
  • Die Stadt unterstützt Förderprogramme, Präventionsmaßnahmen und Bildungsinitiativen außerhalb der Stadtverwaltung, die sich für Demokratie und Menschenrechte und gegen Antisemitismus einsetzen.

Kontakt

  • Ratinger Straße 25

    40213 Düsseldorf

  • Telefon 89-24411

    E-Mail