Ausschnitt aus einem Portraitfoto von Gustaf Landauer
Aus Anlass des 100. Todestags des jüdischen Kulturphilosophen Gustav Landauer, der zum Ende der bayrischen Räterepublik am 2. Mai 1919 auf brutale Weise ermordet wurde, zeigte das Theatermuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf eine Ausstellung im Düsseldorfer Rathaus, Marktplatz 2.
Die Ausstellung wurde von Michael Matzigkeit in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam, der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem und dem New Yorker Leo Baeck Institut für das Theatermuseum konzipiert und kuratiert. 1995 wurde sie bereits als Wanderausstellung mit Stationen in Amsterdam, Bonn, Frankfurt/Main, München und Jerusalem gezeigt. Jetzt ist sie im Rathaus und im Anschluss in der Bergischen VHS in Wuppertal zu sehen.
Gegenstand der Ausstellung ist Landauers vielschichtiges Leben, sein Werk und die enorme Ausstrahlung auf Dichter, Schauspieler, Musiker und Politiker seiner Zeit. Die wenigsten wissen, dass Gustav Landauer mit Düsseldorf eng verbunden war: Ab 1916 wurde er zunächst als Vortragsredner seiner berühmt gewordenen Shakespeare-Analysen, später als Dramaturg und Herausgeber der Programmzeitschrift "Masken" zu einem verlässlichen Partner von Louise Dumont, der Prinzipalin des Schauspielhauses Düsseldorf. Auch für die Begründer der Siedlung Freie Erde in Düsseldorf-Eller wurde Landauer in den frühen 1920er Jahren zu einem großen Vorbild.
Am französischen Sozialreformer Pierre Proudhon geschult, hat Landauer den despotischen Charakter des marxistischen Kommunismus klar vorausgesehen und als begnadeter Redner gebrandmarkt. Damit hat er die geistigen Grundlagen für einen freiheitlichen Sozialismus ohne Parteiterror und bürokratische Planungswillkür gelegt, die heute noch wertvoll sind. Obwohl später weitgehend vergessen, konnten seine Überlegungen immerhin im Werk des Religionsphilosophen Martin Buber und in der jüdischen Siedlungsbewegung weiterwirken.
Zu der Ausstellung 1995 (2. Auflage 1997) ist eine umfängliche, reich bebilderte Publikation ("…die beste Sensation ist das Ewige…" Gustav Landauer – Leben, Werk und Wirkung) erschienen, die in der Ausstellung ausliegt und im Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, zum reduzierten Preis von 15 Euro erworben werden kann.
Text: Michael Fritsch
Anschlusstermin der Landauer-Ausstellung in Wuppertal:
Bergische VHS, Auer Schulstr. 20, 43103 Wuppertal, 9. Mai – 24. Mai 2019