Das Theatergebäude wurde als ein modernes Mehrzweckgebäude entworfen, das ideal in die mittelalterliche und Renaissancebebauung der Stadt integriert ist. Renato Rizzis Projekt zeigt eine revolutionäre Heransgehensweise an die Rekonstruktion eines historischen Gebäudes: den hölzernen elisabethanischen Innenraum des Theaters umschloss der Architekt mit einem schweren Ziegelblock, wie einen Schatz in einer Schatulle. Jene Schatulle hat dabei ein schließbares Dach, was es erlaubt, Theaterstücke unter freiem Himmel, bei Tageslicht, aufzuführen. Es handelt sich um ein einzigartiges architektonische Werk und gleichzeitig eine Sehenswürdigkeit, die Besucher aus aller Welt anziehen wird. Das Projekt wird durch die Europäische Union aus den Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung im Rahmen des Programms Infrastruktur und Umwelt mitfinanziert.
Das Danziger Shakespeare-Theater ist eine Kultureinrichtung, deren Ziel es ist, künstlerische Initiativen hervorzubringen, theatralische Kultur zu verbreiten wie auch zur theatralischen Bildung von Kindern, Jugendlichen und Lehrern beizutragen. Die Institution ist Mitveranstalter des Shakespeare-Festivals in Danzig (Mitglied im Europäischen Netz der Shakespearefestivals) und Gründer des Theaters im Fenster mit Sitz in Danzig.
Blick in die Danziger Theatergeschichte
Die Idee zu einem in Danzig errichteten Theater im Elisabethanischen Stil kam nicht von ungefähr. Als Danzig im 16. und 17. Jahrhundert einen kulturellen Höhepunkt erreicht, ist es die Stadt mit dem größten Hafen im östlichen Europa. In dieser Zeit, von etwa 1600 bis 1660, gastieren fast jeden Sommer professionelle englische Theatertruppen in der Stadt und zeigen Inszenierungen, die sich durch hohen Standards in der Dramatik und Schauspielkunst, aber auch durch Tanz und Musik auszeichneten.
So wurden noch zu seinen Lebzeiten William Shakespeares Stücke in Danzig aufgeführt, daneben Meisterwerke von Christopher Marlowe, Thomas Dekker, Geoge Chapmann, Thomas Middleton, um nur einige Namen zu nennen. Nach den ersten Gastspielen dieser Schauspielertruppen wurde ein feststehendes Theater gebaut, bekannt als die 'Fechtschule'. Obwohl eigentlich ein Mehrzweckgebäude, wurde es das erste öffentliche Theater in ganz Polen, das dem Londoner 'Fortune Playhouse' auffallend ähnelte.
Dieses Danziger Theater, 1611 erstmals urkundlich erwähnt, blieb über gut 100 Jahre hinweg das einzige, ständige Theater der Stadt. Als Holzbau erlebte es zahlreiche Renovierungen und Umbauten. 1635 wurde es abermals neu errichtet. In dieser Form, entworfen von dem holländischen Architekten Jakob van Blocke, ist es auf einem Stich des Niederländers Peter Willer von etwa 1650 zu sehen.
Rekonstruktion des Theaters und Neubau
Vor diesem Hintergrund entstand in den 1990er Jahren die Idee dieses Theater zu rekonstruieren. Der gemeinnützigen 'Theatrum Gedanense Stiftung' gelang es schließlich neben den weltbekannten Film- und Theaterregisseuren Sir Peter Hall und Andrzej Wajda auch den Prinzen von Wales als Schirmherren zu gewinnen. Die Rekonstruktion des Theaters aber ist kein Selbstzweck: nach dem Besuch seiner Königlichen Hoheit im Jahr 1993, wurde die Tradition von Gastspielen englischer Schauspieler in Danzig wiederbelebt. 1997 entstand daraus ein Festival, das - gemeinsam vom Kultusministerium, verschiedenen Ortsbehörden, der EU und Firmensponsoren finanziert - zu einem internationalen Ereignis geriet. Bis jetzt waren fast 200 Produktionen aus mehr als 30 Ländern zu sehen - darunter Großbritanien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Russland, Japan, Litauen, Estland, die USA, Rumänien, Korea, Lettland, Kuba, Polen und die Slowakei.
Im Januar 2005 gab die Jury eines internationalen Architekturwettbewerbs, der auch Andrzej Wajda angehörte, schließlich ihre Entscheidung bekannt. Der Siegerentwurf des italienischen Architekten Renato Rizzi wählte einen anderen Ansatz als weitere bereits existierende Rekonstruktionen elisabethanischer Theater in aller Welt: Das neue Theater stellt sich als postmoderne Schöpfung dar, die nicht altertümlich sein will und doch Vergangenheit zu reflektieren und kommentieren vermag. Drei Bühnentypen wurden miteinbezogen: die sogenannte Globebühne, die Studiobühne und die Arenabühne. Dank moderner Technik ist es ohne große Mühen möglich den Theaterraum vom elisabethanischen Bühnentyp zur Guckkastenbühne zu verwandeln und umgekehrt. Eine bewegliche Dachkonstruktion läßt auch Aufführungen bei Tageslicht zu.