Welche sozialen Herausforderungen sind in Düsseldorf aktuell am drängendsten?
Da gibt es eine ganze Reihe von sozialen Herausforderungen. Als Leiter des Amtes für Soziales und Jugend richte ich meinen Blick insbesondere auf die Schwächsten in unserer Gesellschaft, die Kinder, die älteren Menschen und die Menschen mit Beeinträchtigungen. Die Armut von Kindern kann in einer Kommune beispielsweise anhand der SGB II-Quote „gemessen“ werden. Im Jahr 2024 lebten in Düsseldorf 13.015 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahre in Bedarfsgemeinschaften nach SGB II. Dies entspricht einer Quote von 15,2 %. Im Vergleich der letzten zehn Jahre ist dies der niedrigste Wert und die niedrigste Quote. Selbstverständlich ist die Zahl der Kinder, die in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen leben größer.
Kinderarmut wird an vielen Orten sichtbar, an denen das Amt für Soziales und Jugend hoheitlich oder einfach als Träger von Einrichtungen wie Kitas oder Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, Stadtteiltreffs oder Bürgerhäusern tätig ist. In einer Kita fällt einer Erzieherin dann zum Beispiel auf, dass einzelne Kinder keine Winterjacken oder Winterschuhe zur Verfügung haben. Über den sogenannten Stadtbezirksfonds kann unbürokratisch und schnell geholfen werden, wenn keine anderen Unterstützungsmöglichkeiten greifen.
Zu beachten ist, dass Kinder und Jugendliche, die in prekären wirtschaftlichen Lebensverhältnissen leben, in verschiedenen Bereichen erhebliche Benachteiligungen und Beeinträchtigungen erfahren. Damit meine ich beispielsweise geringere Bildungschancen, gesundheitliche Nachteile infolge schlechterer Ernährung, beengte Wohnverhältnisse, innerfamiliäre Spannungen aufgrund von ökonomischen Schwierigkeiten sowie mangelnde Teilhabe an sozialen und kulturellen Angeboten.
Eine der Hauptursachen von Armutsgefährdung ist die mangelnde Verfügbarkeit von bezahlbarem Wohnraum. Diese betrifft nicht nur Menschen mit geringen Einkommen oder im Transferleistungsbezug, sondern zunehmend auch Menschen mit mittleren Einkommen, kinderreiche Familien sowie ältere und alleinstehende Personen. Oftmals haben von Armut betroffene Menschen multiple Problemlagen, die über die materielle Not hinausgehen.
Besonders besorgt mich der Anstieg der Altersarmut. Ende 2024 bezogen 11.096 Menschen Grundsicherung im Alter nach SGB XII – das sind 9 % aller 65-Jährigen und Älteren. Im Laufe der letzten 10 Jahre sind diese Zahlen kontinuierlich gestiegen und vieles deutet darauf hin, dass sich dieser Anstieg fortsetzen wird.